Herausforderungen für die Pflege

Vizebürgermeisterin Karin Hörzing

WEITERLESEN

Neue Herausforderungen für die Pflege

Zentrale Forderungen: Valorisierung Pflegegeld – Vereinbarkeit Pflege und Beruf – Beseitigung Personalmangel

Die Betreuung der Seniorinnen und Senioren ist ein wesentlicher Eckpfeiler der Linzer Sozialpolitik. Der Rahmen der Leistungserbringung wird durch Bundes- und Landesgesetze bestimmt, die Herausforderungen werden auf allen Ebenen diskutiert. Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing sieht im Zuge dessen folgende Punkte als zentrale Forderungen: Eine Valorisierung des Pflegegeldes, Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf sowie die Beseitigung des Personalmangels.

„Das Pflegegeld ist aufzustocken und jährlich zumindest im Ausmaß der Inflation zu valorisieren. Diese Valorisierung muss auch für niedrige Pflegegeldstufen gelten“, appelliert Hörzing in Richtung Bundesregierung. Die Kosten für eine Valorisierung betragen laut Städtebund ab Stufe 4 ca. 15,5 Mio., ab Stufe 3 ca. 18 Mio., ab Stufe 2 ca. 21 Mio., ab Stufe 1 ca. 25 Mio. „Vor allem in Hinblick auf die Entlastung pflegender Angehöriger ist die Erhöhung der niedrigen Stufen besonders wichtig, da jene Personen, die zu Hause gepflegt werden, oftmals in den Stufen 1 bis 3 eingestuft sind“, weiß Vizebürgermeisterin Hörzing.

Zum Wertverlust durch die Inflation kommt der Faktor der nicht mehr zeitgemäßen Einstufungskriterien: „Die Angehörigen und Dienstleister sind zunehmend mit den gestiegenen Anforderungen aufgrund von Demenz und ähnlichen Erkrankungen konfrontiert. Dies findet keinen Widerhall in den Bemessungsgrundlagen und der Einstufungspraxis.“ Ganz im Gegenteil, so Hörzing, würden dementiell erkrankte Personen meist mit niedrigen Pflegegeldstufen bedacht, obwohl sie teilweise einen höheren zeitlichen Aufwand erfordern als bettlägrige HeimbewohnerInnen. „Hier bedarf es dringend einer Evaluierung und Anpassung über alle Pflegegeldstufen hinweg“, fordert Hörzing.

Pflegende Angehörige sind zu mehr als zwei Drittel Frauen. Der Frauenanteil unter den Angehörigen in der häuslichen Pflege beträgt 73 Prozent, bei der stationären Langzeitpflege sind es 63 Prozent. Für sie braucht es neben einer stärkeren Wahrnehmung und Wertschätzung vor allem Beratung sowie flexible Angebote, die in verschiedenen Lebenslagen Entlastung bieten. „Hier müssen neue Wege gedacht werden, wie etwa stundenweise abrufbare Angebote, soziale Alltagsbegleitung oder anlassbezogene Angebote zur Nachtbetreuung“, so Hörzing. Die Linzer Tageszentren bieten bereits jetzt ein wichtiges Angebot für pflegende Angehörige. Die aktuell vom Sozialministerium geplante Imagekampagne pflegende Angehörige begrüßt Hörzing grundsätzlich. „Ich wünsche mir aber, dass andere, wichtigere Maßnahmen für pflegende Angehörige schneller umgesetzt werden. Von einer Kampagne alleine wird die Situation für die Menschen nicht besser“, so Hörzing.

In Bezug auf die Forderung nach einer zentralen Anlaufstelle für pflegende Angehörige betont Vizebürgermeisterin Hörzing das Linzer Vorbild der Sozialberatungsstellen Kompass. „In den vier Linzer Sozialberatungsstellen erhalten Angehörige eine umfassende Beratung. Dazu zählt das Organisieren von mobilen Diensten sowie die Beratung und Bedarfserhebung für einen Heimplatz in einem Linzer Seniorenzentrum“.

Eine rasche Umsetzung erhofft sich Vizebürgermeisterin Hörzing bei der Aufnahme von Pflegeberufen (insbesondere der Beruf FachsozialbetreuerIn „Altenarbeit“) in die Liste der Mangelberufe. Dies würde während der Ausbildung die Existenzsicherung in Form des Fachkräftestipendiums für die Betroffenen über das AMS ermöglichen. Das betrifft insbesondere die Um- und Wiedereinsteigerinnen, die es sich die zweijährige Ausbildung ohne Einkommen sonst nicht leisten können. Diese Personen sind meist weiblich, zwischen 30 und 45 Jahre alt verfügen über die notwendige Lebenserfahrung und entscheiden sich bewusst und aktiv für den Pflegeberuf. Ebenso zentral ist die Ausweitung der Rot-Weiß-Rot-Card im Bereich der Pflege.

 

 

Suchen…